Lie­ber Lars,

lie­be Genos­sin­nen und Genos­sen des Parteivorstandes,

als SPD Hal­tern am See und als SPD-Frak­ti­on im Rat der Stadt Hal­tern am See wen­den wir uns heu­te mit Sor­ge, aber auch aus tiefs­ter Über­zeu­gung und Ver­ant­wor­tung für unse­re Par­tei an euch.

Die Geschich­te der Hal­ter­ner SPD ist geprägt von Mut und uner­schüt­ter­li­cher Hal­tung: Sie begann im Jahr 1900 mit der Grün­dung unter den erschwer­ten Bedin­gun­gen poli­zei­li­cher Ver­fol­gung. In den dunk­len Jah­ren der 1920er und 1930er führ­ten unse­re Hal­ter­ner Genos­sin­nen und Genos­sen die­sen Kampf fort, indem sie den natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Fein­den der Demo­kra­tie mutig entgegentraten.

Die Sozi­al­de­mo­kra­tie beruht seit über 160 Jah­ren auf den unum­stöß­li­chen Grund­wer­ten Frei­heit, Gerech­tig­keit und Soli­da­ri­tät. Die­se Wer­te ver­pflich­ten uns, über­all dort Hal­tung zu zei­gen, wo Men­schen­wür­de bedroht wird und Dis­kri­mi­nie­rung Raum greift. Wir tre­ten stets ent­schlos­sen gegen jede Form des Faschis­mus und Ras­sis­mus ein. Wer sich jedoch glaub­wür­dig von Faschis­ten und Extre­mis­ten abgren­zen möch­te, darf auf dem lin­ken Auge kei­nes­falls blind sein.

Mit gro­ßer Besorg­nis ver­fol­gen wir die aktu­el­len Ent­wick­lun­gen bezüg­lich einer mög­li­chen Regie­rungs­be­tei­li­gung der SPD mit der Par­tei Die Lin­ke in Ber­lin. Die im Raum ste­hen­den Anti­se­mi­tis­mus­vor­wür­fe – mit Blick ins­be­son­de­re auf die Ber­li­ner Lin­ke – wie­gen schwer und müs­sen im Grund­satz gese­hen werden.

Anti­se­mi­tis­mus ist in kei­ner Form akzep­ta­bel, egal aus wel­cher poli­ti­schen Ecke er kommt. Wenn Tei­le einer Par­tei, mit der eine Koali­ti­on erwo­gen wird, deut­li­che Abgren­zungs­pro­ble­me gegen­über anti­se­mi­ti­schen Ten­den­zen auf­wei­sen, dann berührt das nicht bloß tak­ti­sche Detail­fra­gen, son­dern das Fun­da­ment unse­rer sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Hal­tung.

Die Rele­vanz der Ber­li­ner SPD soll­te sich nicht pri­mär über das Errei­chen oder Erhal­ten von Regie­rungs­äm­tern um jeden Preis definieren.

Die Ber­li­ner SPD kann ihre Glaub­wür­dig­keit nur wah­ren, wenn sie unse­ren Grund­sät­zen treu bleibt, statt bei grund­le­gen­den Wer­te­fra­gen prag­ma­ti­sche Zuge­ständ­nis­se zu machen.

Wir wis­sen, dass unser direk­ter Ein­fluss aus der Basis auf die Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen in Ber­lin begrenzt sein mag. Den­noch sind wir über­zeugt, dass ein kla­res und öffent­li­ches Signal der Bun­des­spit­ze der SPD auch von den Ver­han­deln­den vor Ort nicht igno­riert wer­den kann. Aus die­sem Grund erwar­ten wir von der Par­tei, vom Par­tei­vor­sit­zen­den und vom gesam­ten Vor­stand eine ein­deu­ti­ge und öffent­li­che Stel­lung­nah­me. Die Bun­des­spit­ze muss unmiss­ver­ständ­lich klar­stel­len, dass Koali­tio­nen mit Kräf­ten, die sich nicht lücken­los und zwei­fels­frei von Anti­se­mi­tis­mus und Extre­mis­mus distan­zie­ren, aus­ge­schlos­sen sind und dass die SPD sich wie­der ver­läss­lich auf die brei­te Mit­te der Gesell­schaft als Kern ihres poli­ti­schen Wir­kens besinnt!

Lasst uns gemein­sam Hal­tung zei­gen und die Grund­wer­te unse­rer Par­tei schützen.

Mit soli­da­ri­schen Grüßen